Barockes Reiten
 
 
 

Barocke Reitweise – was ist das und wo liegen die Vorzüge?


Wer kennt es nicht, das Problem der heutigen Zeit? Termin jagt Termin, der Alltag ist vollgestopft mit Pflichten und Arbeiten. Nur ein Beispiel: Die berühmten „To do- Listen“. Man steht morgens auf und hat den Tagesablauf schon nach der Uhr geplant. Schnell, schnell, schnell...

 

Alles muss schnell gehen, schnell sein – egal wie – Hauptsache schnell. Dabei verlieren wir leicht die wichtigsten Aspekte des Lebens aus dem Blickfeld – es gibt Dinge, für die muss man sich Zeit nehmen. Einfach um sie gut zu tun und sich am Ergebnis zu erfreuen.

 

Nur ein Beispiel ist hier das Reiten. Wer kennt nicht das Bild eines Reiters mit seinem Pferd, die in vollkommener Harmonie und im allerbesten Einklang locker, leicht und gelöst selbst die schwierigsten Lektionen wie Kleinigkeiten aussehen lassen? Wer einmal in den Genuss einer solchen Darbietung kam wird sie sicher nicht so schnell wieder vergessen.

Was meinen Sie, wie haben Reiter und Pferd dieses Ziel erreicht (sofern man bei der Reiterei überhaupt von einem Ziel, einem Ankommen, sprechen kann)? Schnell, schnell? Wahrscheinlich nicht. Seien Sie sicher dass dieser absolut im Einklang vorgetragenen Darbietung viel harte und gründliche Arbeit vorausgegangen ist, die mit Geduld – mit viel Zeit – vonstatten ging.

 

Die barocke Reitweise hat ihren Namen nach dem Zeitalter des Barock erhalten, als die Reiterei noch stark am Gesichtspunkt des Gebrauchs der Pferde ausgerichtet war. Es wurden meist Pferde für Kriegszwecke ausgebildet – und nicht zuletzt entschied die Ausbildung von Pferd und Reiter über Leben und Tod in einer Schlacht. Demzufolge wurde in die Ausbildung des Pferdes und des Reiters viel Zeit, viel Kraft und Ausdauer investiert. Diese Ausbildung war lang und gründlich und erfolgte für unseren heutigen Standpunkt relativ spät. Begonnen wurde erst wenn das Pferd ungefähr 5 bis 7 Jahre alt war.

 

Leider hat man inzwischen vielerorts aus den Augen verloren dass die Dressurreiterei nicht in erster Linie zur Freude der Reiter da ist – sie hat vielmehr die Aufgabe das Pferd zu formen und zu trainieren. Die Dressur fördert die Gesundheit des Pferdes. Die klassische Reitweise dient vielmehr dazu die Seele und den Körper des Pferdes zu schützen, d. h.hier finden die klassischen Reitmeister wie Xenophon,  Guériniére oder aus der „jüngeren“ Zeit Steinbrecht oder Oliveira Beachtung.

 

Aber was ist nun klassisch, was ist barock? Die Barockreiterei ist rein zeitlich auf das 16./17. Jahrhundert festgelegt. Bedeutende Reitmeister gab es z. B. mit Xenophon aber bereits deutlich früher. Ein Barockreiter müsste sich ausschließlich nach den Lehren von Guériniére richten, ausnahmslos nur Barockpferde reiten und sich so kleiden wie es im Zeitalter des Barock üblich war. Sie merken, der Begriff an sich sagt wenig aus. Die Art des Reitens, der Umgang mit dem Wesen Pferd, ist ausschlaggebend.  Man sollte sich an klassischen (Xenophon) wie auch modernen (Oliveira, Steinbrecht) Reitmeistern orientieren, die die Natur des Pferdes berücksichtigen.

 

Beiden (sowohl der klasssischen als auch der „barocken“ Reitweise) ist gemein, dass bei der Ausbildung der Psyche und der Physis des Pferdes besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Die Ausbildung von Pferd und Reiter erfolgte über Jahre. Dabei wurde das Pferd schonend, seinen  Fähigkeiten entsprechend aufgebaut und gymnastiziert. Diese Art der Ausbildung verlangt vor allem großen Respekt vor dem Wesen Pferd, welcher ihm uneingeschränkt entgegengebracht werden sollte. Sobald das Pferd die Hilfen des Reiters versteht, verringert dieser seine Hilfen auf ein Minimum. So war z. B. das songenannte „Treiben“, das ständige Anticken des Pferdes mit der Wade in Zeiten des Barock  nicht gern gesehen. Bei den damals gut ausgebildeten Pferden war es aber auch nicht nötig.

 

Wie sah nun das barocke Reiten aus? Das Bein hing locker am Pferd herab, geritten wurde meist auf Kandare, wobei die Kandarenzügel allein mit der linken Hand (also einhändig) geführt wurden. Es kam auch die Unterlegtrense zum Einsatz, hier ließ man die Trensenzügel betont locker durchhängen. Man saß tief im Pferd, das Bein lang. Die in der rechten Hand des Reiters befindliche Rute wurde in die Luft gehalten und sollte nur wenig zur Anwendung kommen. Es wurde viel Wert auf versammeltes Reiten gelegt – dies aber am losen Zügel! Dies bedeutet den Zügel so in der Hand zu halten, das er zwar noch locker Kontakt mit dem Maul des Pferdes hat, man aber hier nur das Gewicht des Zügels in Händen hält. In der Kriegsreiterei wurde gelehrt die Pferde nach Möglichkeit nur mit Gewichtshilfen zu reiten. Die Pferde waren daraufhin ausgebildet, stets unter den Schwer-punkt ihres Reiters zu treten. Man zeigte sich bemüht sowohl Pferde wie auch Reiter ständig an Körper und Geist weiterzubilden.

 

Reitkunst entstand aber erst dort, wo man die Zielstellung hatte Pferd und Reiter in perfekter Harmonie und fehlerlosem Einklang in den Bewegungen präsentieren zu können. Egal ob dies nun zu Kriegszwecken nötig war oder nur zum bloßen Vorführen der Kunst von Pferd und Reiter.

 

Diese Kunst wird in unserer Zeit von vielen Reitern wieder mehr wertgeschätzt. Man hechelt weniger auf Kosten des Pferdes nach Erfolg und Siegen, man möchte dem Geschöpf Pferd wieder „dienen“, sich mit ihm verständigen können – ohne Hast, Zwang und ohne Gewalt. Die Dressurreiterei rückt wieder ihrem ursprünglichen Zweck entgegen: Einem Pferd, das rundum gelöst, locker und gern unter dem Sattel geht. Einem Pferd, dessen gut ausgebildete Muskulatur es ihm ermöglicht, auch die schwersten Lektionen wie eine leicht zu erbringende Kleinigkeit aussehen zu lassen. Einem Pferd, dessen Ausbildung es ihm möglich macht seine Aufgaben ohne das Erleiden von Schäden - seien sie psychisch oder physisch – und mit natürlicher Freude zu verrichten.

 

Nun mag der Weg dahin kein leichter sein, das Durchhalten nach Rückschlägen sicher nur schwer zu verkraften – aber ist des das Geschöpf Pferd nicht wert? Ist es nicht die Freude wert, den Einklang mit seinem Pferd zu fühlen, die perfekte Harmonie zwischen Reiter und Pferd persönlich zu erleben? Die Antwort lässt sich sicher leicht finden.

 

Unser Reiterhof ist bestrebt die barocke bzw. die klassische Reitweise wieder in den Vordergrund zu stellen. Mit großer Freude würden wir Ihnen diese Philosophie gern näherbringen.

                                                                                                             (Text: Yvonne Loos)

Für den Text wurden Informationen aus folgenden Quellen verwendet:

http://fdc_sasu.beepworld.de/reitweise.htm

http://reiter.spass.com/dressur_ordner/dressur_die_klassische_reitkunst.htm

 

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